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Ich möchte zurückgehen in der Zeit

Was hinterlasse ich, fragt mich meine Mutter.
Was habe ich zu vererben, was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr da bin.
Sie stellt diese Frage in einem eigentümlichen Tonfall, heiter und verärgert zugleich. Sie gibt vor, es nicht ganz ernst zu meinen, meint es aber offensichtlich mehr als ernst, wartet meine Antwort nicht ab und beantwortet sich ihre Frage selbst.
Sie sagt, nichts. Ich hinterlasse nichts, es bleibt nichts von mir übrig.

I.
Radom

Meine Mutter erinnert sich an die Tätowierung unter dem linken Arm ihres Vaters. Auf der Innenseite seines Armes, verblichen, blassblau, groß wie ein Pfennig. Sie hat die Tätowierung das erste Mal auf seinem Sterbebett gesehen, er starb in einem Einzelzimmer im Krankenhaus, sie war einundzwanzig Jahre alt und sah durch ein rundes Fenster in der Tür zu ihm hin.

Das ist, was sie mir erzählt hat. Was sie mir früher erzählt hat. Spreche ich aber heute mit ihr darüber, sagt sie, sie hätte von dieser Tätowierung schon immer, schon in ihrer Kindheit gewusst.

Sie sagt, diese Sache mit dem Sterbebett ist das, was du daraus machst. Vor allem dein Einfall mit dem runden Fenster in der Tür. Das ist, was du daraus machst.

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